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Welchen Vers möchtest du 2022 in das Buch des Lebens schreiben?

Die Urlaubszeit oder der Feierabend sind für uns oft Lesezeit. Und manchmal sind es besondere Gedanken oder Worte, die uns in einem Buch berühren. Es lohnt sich, diese Verse herauszuschreiben und zu sammeln. 
Auf einer Geburtstagsfeier hat einmal die Gastgeberin jedem der Gäste einen Vers aus ihrem Buch des Lebens ziehen lassen. Wir konnten diese Worte auf uns wirken lassen und mit nach Hause nehmen. 
„Nicht Vielwissen (oder Viellesen) sättigt die Seele, sondern das innere Fühlen und Verkosten der Dinge“, sagt der heilige Ignatius. Dieser Vers inspiriert auch zu einer meditativen Lesekultur. Immer mal wieder das Buch zur Seite legen und die Worte wirken lassen, die innere Resonanz spüren. Oder auch einmal bewusst an einem schönen Plätzchen in der Natur lesen, zwischendurch aufschauen und die Umgebung wahrnehmen, die Menschen, die Natur, vielleicht den Sonnenuntergang. In dieser Wechselwirkung von Lesen und Wahrnehmen der Gegenwart liegt für mich eine große Bereicherung.
Die Verse, die unser Leben zum Klingen bringen, können wir nicht nur aus Büchern sammeln, sondern vielleicht auch aus dem eigenen Herzen schöpfen, indem wir uns vorstellen, wie der Titel eines Buches lauten würde, das wir selber gerne schreiben möchten. 
Was wäre der Titel Ihres Lebensbuches?
Christian Morgenstern sagt: „Über jedem guten Buch muss das Gesicht des Lesers von Zeit zu Zeit hell werden.“ Das gilt sicher auch für die Wahl des Titels.
In der Bibel, unserer heiligen Schrift, wird gesagt, dass die Namen aller, die die frohe Botschaft weiter sagen, im Buch des Lebens stehen. (Philipper 4,3) 
Machen wir uns also immer wieder bewusst, welche Botschaften wir verbreiten, schriftlich oder mündlich. Achten wir darauf, ob wir mit unseren Worten die Hoffnung und die Liebe nähren, ob sich die Gesichter und die Herzen unserer Mitmenschen erhellen oder verdunkeln, wenn sie unsere Botschaften wahrnehmen. 
Es gibt einen Vers, der immer häufiger bei Beerdigungen auftaucht, und der sinngemäß lautet: Das Beste, was wir hinterlassen können, ist ein Lächeln auf den Gesichtern der Menschen, wenn sie sich an uns erinnern.
Wählen wir also unsere Worte und unsere Literatur sorgfältig aus, erzählen wir uns die Geschichten unseres Lebens, schriftlich oder mündlich, und lesen wir uns gegenseitig vor, welche Verse uns berühren.

Christian Engels